Was bisher geschah ... (m)eine kleine Zeitreise von Anfang an oder hier die Kurzfassung
An einem warmen Sonntag im Mai 1961, in einer der waldreichsten und hügeligsten Regionen Deutschlands, in einem Dorf dessen Namen kaum ein Mensch richtig aussprechen kann und dessen Bewohner man früher als das kriegerische Bergvolk am Rande des Rothaargebirges bezeichnete - ja hier in Obernetphen nahm alles seinen Anfang.
Ein lauter Schrei ertönte und ich war da. Ob dies einen Einfluss auf das hatte was daraufhin folgte, kann ich nicht sagen, aber ...
Juri Gagarin flog als erster Mensch ins Weltall
Der Mauerbau in Berlin schockierte die Welt
Rosie & the Originals veröffentlichten Ihren erfolgreichen Song Angel Baby
Den Eurovision Song Contest hingegen gewinnt eine gruselige Schnulze Anmerk.: Ich hätte den Song "Runaway von Del Shannon" vorgeschlagen, aber mein Geschrei hat ja damals noch niemanden interessiert
Und was geschah noch so? Ach ja, auf einer anderen Bühne - der Rennsportbühne...
Mike Hailwood holte sich auf einer 250er Honda den ersten von insgesamt neun Weltmeistertitel. Ihm zu Ehren wurde später ein Motorrad gebaut, an dem ich mich noch sehr erfreuen sollte. Im Gegensatz dazu, interessierte sich noch niemand für meine Hinterlassenschaften.
Früher Forscherdrang
Kaum auf eigenen Beinen stehend, stellte der kleine Lockenkopf schnell unter Beweis, dass er technisch interessiert und mit einem ausgeprägtem Forscherdrang ausgestattet war. Jegliches Spielzeug, in erster Linie die heute so begehrten Blechspielzeuge, wurden an den kleinen Laschen aufgebogen und auseinander genommen. Mich interessierte brennend wie die Schwungradmotoren funktionierten.
Mein Vater war davon allerdings nicht so begeistert. Das wird auch der Grund gewesen sein, dass ich fortan nur noch Baukästen geschenkt bekam. Erst die aus Holz - zum Schrauben - dann Lego und später die genialen TRIX-Baukästen. Damit wurden unzählige Ausführungen verschiedenster Flugzeuge, Hubschrauber und sonstige Fahrzeuge gebaut.
Bis heute schlägt immer noch ein Tüftler- und auch ein Fliegerherz in meiner Brust. Nur die Locken sind grauer geworden!
Von faulen und fleißigen Schülern
In der Schule ging es irgendwie voran. Meine Eltern hatten selten Grund zur Beschwerde über zu schnelle Lernfortschritte, zumindest in den naturwissenschaftlichen Fächern gab es zufriedene Gesichter.
Schnell fand ich heraus, dass im Windschatten besserer Schüler die Mindestanforderungen der Schule am kräfteschonendsten erreicht werden konnten. Die eingesparte Energie wurde dann nach Schulschluß kreativ eingesetzt: Wir erfanden und bauten uns die ersten geländegängigen "Nakedbikes". Es wurde alles abmontiert was klappern kann! Wir waren die Erbauer der ersten Vorläufer der heutigen Mountainbikes. Meines hatte bereits 28/29Zoll Bereifung, heute nennt man diese Bikes "twentyniner". Außerdem waren wir spezialisiert auf Treeclimbing und Treehousebuilding und manchmal lagen wir einfach nur da, rauchten Laub und träumten vom Fliegen.
Noch mit 14 Jahren erfüllte ich mir den Traum vom Fliegen und meldete mich im ortsansässigen Segelflugverein an. Der Segelflugplatz war in Hünsborn und wurde von 5 oder 6 Vereinen gemeinsam unterhalten. Wir Schüler hatten weniger Mitgliedsbeitrag zu zahlen, mußten dafür Altpapier sammeln, in der Flugwerkstatt mithelfen und am Wochenende auf dem Flugfeld alle anfallenden Pflegearbeiten durchführen.
Dafür durften wir legaler Weise die Lepos fahren. Das sind die Seilrückholfahrzeuge, die bei Windenstarts die Seile zum Startplatz zurück ziehen. Lepo kommt von Opel rückwärts gelesen, da hier sehr oft ausgemusterte Opel Kadett, aber auch fette Schlitten wie Ford Consul und Mercedes aller Kategorien zum Einsatz kamen.
Nach einer tollen Saison mit fast 30 Starts und Landungen, und einigen Thermikflügen war ich kurz vorm ersten Alleinflug. Die Liste der bereits über 1km Distanz gefahrenen Autos (mit 14!) war bereits länger als die von manch "altem Hasen".
Dann kam der Winter und der Verein zerstritt sich intern mit einem Fluglehrer. Meine Eltern meinten, ich solle mich doch lieber wieder mehr auf die Schule konzentrieren.
Das erste Etappenziel erreicht
Nachdem meine Lehrer meinten, es wäre genug, die Mindestanforderungen seien erreicht, begann ich recht früh mit einer Ausbildung zum Werkzeugmacher. Diese 3 1/2 Jahre Ausbildung waren genau das Richtige für mich. In einer hervorragenden Ausbildungswerkstatt und bei einem legendären Lehrmeister "ähh und zwar" (Insider) führte dies schlussendlich zu einer sehr guten Abschlussprüfung.
Der Beruf des Werkzeugmachers zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit und Anforderung an Präzision aus. Für meine spätere Weiterbildung zum Industriemeister und NC-Anlagen-Techniker waren dies perfekte Voraussetzungen.
Schwarzfahrer
Mit dem ersten Ausbildungsgehalt wurde gleich ein motorisierter Untersatz gekauft. Eine rote Honda Dax mit kleinem Nummernschild bzw. gar kein Nummernschild. Ich war ja noch keine 16 und hatte somit auch noch keinen Führerschein. Wir waren mehrere Dax-Fahrer - das KLT-Team - und wir fuhren überwiegend im Wald umher. Insbesondere die Grünröcke waren sehr begeistert davon und wollten gleich mit uns Fangen spielen. Wir waren zum Glück immer ein klein wenig schneller :-)
1975: Schluchtenflitzer - Genau meine Zeit!
Endlich 16
Endlich, mein 16ter Geburtstag! Die erste Herkules stand vor der Tür! Es war noch eine alte, gebläsegekühlte Möhre aus den 60er Jahren. Die war von Schönheit so weit entfernt, dass ich kein Problem damit hatte, meine in Sachen Mopedfahren unerfahrene Schwester damit fahren zu lassen.
Dies sollten wir aber beide kurze Zeit später bitter bereuen. Ich mußte das verbogene Teil aus einer steilen Böschung ziehen und meine Schwester humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht nach Hause.
Hehlerware
Kurze Zeit später bekam ich ein sehr verlockendes und gleichzeitig dubios Angebot für eine mit Sprühdosenlack schwarz lackierte, luftgekühlten Herkules mit kleinem Nummernschild. Bei diesem Verkäufer hätten eigentlich Alarmglocken leuten müssen, aber alle Zweifel wurden bei Seite geschoben, denn die Karre lief locker knapp über 90, also 50 mehr als erlaubt.
Wochen später wurde dieser illegale Geschwindigkeitsüberschuss polizeiseitig und hochoffiziell bestätigt. Meine Ausrede, dass nur ein größeres Antriebsritzel verbaut wurde, haben mir die Polizisten zum Glück abgenommen. Mein Verdacht erhärtete sich, dass dieses Moped gar nicht das war, was es laut Fahrzeugschein vorgab zu sein. Vor allem, der wirkliche Besitzer hatte anscheinend nichts mit dem Typen zu tun, von dem ich das Teil gekauft hatte. In dem ich das Moped gleich abmeldete und nachwies, dass es "ausgeschlachtet" wurde, konnte eine vom Strassenverkehrsamt verordnete TÜV-Abnahme gerade noch verhindert werden.
Dieser Kleinkriminelle!
Als nächstes kam eine "große" Herkules MK50RS in die Garage und von der "Schwarzen" wurden die besseren Teile verwendet. Nach und nach entstand so ein richtig schönes Moped mit Halbschalenverkleidung und ledernen Sitzhöcker, chromblitzend, bordeaux rot und schnell. Aber wen wundert´s? Dies schmucke Stück weckte anscheinend erneut Begehrlichkeit beim oben genannten dubiosen Typen!
Nach einer ersten morgendlichen Schrecksekunde und Verständigung der Polizei, hatte allerdings mein kleiner Bruder den richtigen Riecher. Er fand das gestohlene Fahrzeug hinter einer Abdeckung in einem Hühnerstall. Rein zufällig wohnte besagter Typ in dem dazugehörigen Bauernhof, so dass der Diebstahl innerhalb weniger Stunden geklärt war. Der Kleinkriminelle durfte nun, auch wegen andere Delikte, für 2 Wochen in Jugendhaft. Laut richterlicher Anweisung hatte er aber zuvor noch das bereits in der Diebesnacht zerlegte Moped wieder originalgetreu zusammen zubauen. Der Jugendrichter bewies damit ein "Herz für Opfer"
Ein Mädchen in meinem Schlafzimmer
Noch bevor ich 18 wurde, bot mir ein guter Bekannter 3 Bananenkisten voll mit "Alteisen" an. Diese Kisten standen rund 20 Jahre im Keller, bis der Platz benötigt wurde. Mit viel Phantasie erkannte ich, dass es sich um ein motorisiertes Zweirad aus längst vergangenen Zeiten handelte - "Es ist eine Horex Regina von meinem verstorbenen Onkel - 350ccm, 4-Takter! Müßte eigentlich komplett sein!" - Horex mhhh.. schon einmal gehört, aber ... der Preis war ok. Und es war Winter. Da ich sowieso gerade meinen Führerschein Klasse 1 und 3 machte und kein Geld für ein "fertiges" Motorrad hatte, kaufte ich ihm die Kiste(n) ab.
Als die Teilesammlung bei meinen Eltern auf der Terasse ausgebreitet wurde, schüttelte meine Mutter nur ungläubig den Kopf und mein Vater bekam leuchtende Augen: "Jong, wat hast da he?" (Siegerländer Platt) - "ne Horex"- schon erfuhr ich von meinem Vater, dass die Horex Regina seinerzeit die Königin der Strasse war. Erst ab dem Zeitpunkt ahnte ich, dass der Spruch "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" bei mir und meinem Vater zumindest in Sachen Affinität zu außergewöhnlichen Fahrzeugen ebenfalls zutraf .. dazu gibt es hier in Kürze noch eine kleine weitere Anekdote vom "rasenden Opa".
Die Restaurierung fand zum Teil in meinem Zimmer statt. Zumindest die Montage aller überholten und lackierten Teile. Und dann stand Sie da, die hübsche "Regina 350". Ich verliebte mich sofort in sie. Und bei dem "Mädchen" hatte selbst meine Mutter kein Problem damit, wenn es/sie in meinem Zimmer übernachtete - solange sie "trocken" blieb ;-)
Von dem Zeitpunkt an, gehörte die Horex zur Familie - 34 Jahre lang! Sie war ein erstaunlich wendiges Motorrad, bei der manch modernere Maschine in den Kurven das Nachsehen hatte. Beim Klang konnte sowieso kein anderes Motorrad diesem Langhuber das Wasser reichen. Außer wenn mich mal wieder die Polizei dazu nötigte die Schalldämpfer einzubauen.
Aber wer besitzt die Horex heute?
Nach dem Verkauf 2013 hat sich die Spur leider sehr schnell verloren. Über "sachdienliche" Hinweise würde ich mich freuen :-)
Die letzte Ausfaht mit Regina :-(
Meine Motorrad-Karriere
Meine Motorrad-Karriere steigerte sich langsam von der Yamaha XS360, der durstigen Zweitakt-Suzuki GT550 und der vibrierenden Yamaha XS650. Dieses Motorrad brachte mir den Ruf vom "Engel-Antituning" ein. Dazu gibt es nachstehend eine Leidensgeschichte, die ich mit der Schreibmaschine bereits 1983 dokumentierte - als PDF.
Die "Königin" meiner Motorräder war schließlich die Ducati 900SS Hailwood-Replica. Heute ein unbezahlbares Sammlerstück.
Mit der Ducati und zusammen mit der späteren Mutter meiner Tochter haben wir wunderschöne Reisen unternommen: Isle of Man, Cap Ferret, Griechenland und andere Ziele. Ein bischen Ärger hat sie dabei immer gemacht, aber der Klang der offenen Conti-Rohre und der Fahrspass haben dies stets wettgemacht.
Prioritätenwechsel
1986 kam dann unsere Tochter zur Welt und ich tauschte die Ducati gegen einen Kinderwagen ein. Zur Entwöhnung gabs nur noch eine Yamaha XT350, quasi als "Methadon" um die Entzugserscheinungen abzumildern. Womit ich den Spassfaktor mit dieser kleinen Enduro nicht schmälern möchte, aber die Zeiten änderten sich, so auch meine Interessen.
30 lange Jahre meinte ich, ohne Motorrad klar zu kommen. Von der Horex mit 15PS mal abgesehen. Viele andere Hobbys probierte ich aus. Mit viel Licht, aber auch viel Schatten!
Irgendwie war ich ständig auf der Suche nach Alternativen zum Motorradfahren (das ist die Fortsetzung von "Was bisher geschah")
The Sound Of My Life
1961: Schöner fremder Mann von Connie Francis
1961: Runaway von Del Shannon
1961 Mike Hailwood war schon schnell, da konnte ich nicht mal krabbeln!
1962: Motorbiene - lief auch auf unserer Hochzeit
1965: Halbstark
1966: Nancy Sinatra - These Boots Are Made for Walkin
1970: The Kinks - Lola
1973: Suzi Quatro - meine erster und einziger Bravo Starschnitt!
1973: Jukebox?! Gary Glitter war immer dabei!
Der Klassiker! Den Film hab ich mindestens 15x im Kino gesehen!
1978: Manfred Manns Earth Band - Circles
1980: The Blues Brothers - Everybody needs somebody
Jean-Michel Jarre - Magnetic Fields 2 1981
1983: Eurythmics - Sweet Dreams
Weil ich Dich liebe (1989) | Marius Müller-Westernhagen
Jean-Michel Jarre - Oxygene, Pt. 4 (1989 Version)
Ryder The Eagle - Die On My Bike (naa, naa des wolln ma net!)
Chop sui - Donny
Triumph Scrambler: Raise the Dust - Jimmy Cornett
Fritz & Paul Kalkbrenner - Sky and Sand
Iggy Pop - The Passenger
Martin Roth - An Analog Guy In A Digital World Dieser Track wurde kommentiert mit... This should be played minutes before the end of the world, just to remind everyone what life was all about.